Discounter-Fleisch

9 von 10 Proben mit resistenten Keimen belastet

Nicht gerade appetitlich! Keime in billigem Putenfleisch in Deutschland.

Billiges Putenfleisch von Aldi, Lidl und Co. ist in Deutschland oft mit Keimen belastet. Bei einer bundesweiten Stichprobe seien auf knapp 90 Prozent der Fleischstücke antibiotikaresistente Keime nachgewiesen worden, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Montag in Berlin mit.

Einsatz von Antibiotika
Die Organisation verlangte, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast deutlich zu reduzieren. Für die Untersuchung hatte der BUND in zwölf Städten frisches, abgepacktes Putenfleisch bei Aldi, Lidl, Real, Netto und Penny gekauft und im Labor untersuchen lassen. Getestet wurde auf sogenannte MRSA-Keime - Bakterien, gegen die viele Antibiotika unwirksam sind. Untersucht wurde auch das Vorhandensein von ESBL-produzierenden Keimen. Das sind Bakterien, die Antibiotikaresistenzen an andere Bakterien weitergeben können.

Gefährliche Keime
Das Labor wurde 42 Mal bei MRSA fündig und 30 Mal bei ESBL. Nur sieben der 57 Proben waren unbelastet. Zum Vergleich testete der BUND auch vier Proben aus Hofschlachtereien, bei denen die Puten alternativ gehalten worden waren. Dabei wurden keine Belastungen nachgewiesen. Laut BUND können die gefährlichen Keime auf Menschen übertragen werden, wenn etwa das rohe Fleisch mit dem gleichen Messer geschnitten wird wie andere Lebensmittel, die dann roh verzehrt werden. Das durchgegarte Fleisch sei nicht gefährlich.

Bei einer Untersuchung von österreichischem Putenfleisch im Jahr 2012 wurden 54 konventionelle Proben untersucht, wobei der Nachweis von ESBL hier letztendlich bei 17 Prozent lag (neun von 54 Proben). Das heimische Bio-Putenfleisch kam auf einen Anteil von sieben Prozent positiven ESBL (drei von 44 Proben). MRSA konnte molekularbiologisch nur in einer konventionellen Probe der 54 Proben festgestellt werden- der zweite vermeintliche MRSA-Fall konnte molekularbiologisch nicht bestätigt werden, hieß es auf Anfrage beim Zentrum für lebensmittelassoziierte Infektionen der AGES in Graz.

Dessen Leiter, Burkhard Springer, gab zu bedenken, dass ESBL nicht häufiger Krankheitsauslöser als sensible, normale Stämme sind. Kommt es aber zu einer Erkrankung, ist diese dann durch die Resistenz die Behandlung aufwendiger und auch teurer.

Die Leiterin Agrarpolitik beim BUND, Reinhild Benning, nannte die deutschen Studienergebnisse "schockierend, aber nicht überraschend". In der deutschen Tierhaltung würden jährlich 1.450 Tonnen Antibiotika für 800 Millionen Euro eingesetzt.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte, die Untersuchung sei zwar nicht repräsentativ - dies könne die Organisation nicht finanzieren. Eine flächendeckende Erhebung sei "zwingend" notwendig; dafür müssten Bund und Länder sorgen. BUND-Expertin Benning sagte, der Antibiotikaeinsatz in der Tiermast müsse um mindestens die Hälfte sinken. Sie verwies auf Dänemark und die Niederlanden an: Beide hätten die Antibiotikagabe deutlich zurückgedrängt.

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