Multiple Sklerose (MS)

Diagnose MS bedeutet nicht mehr automatisch Rollstuhl

Neue Therapien und frühzeitige Diagnosemöglichkeit brachten Verbesserungen für Patienten

Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) bedeutet heutzutage nicht mehr zwangsläufig ein Leben im Rollstuhl für den Patienten. Darauf machte Thomas Berger, Leiter der Arbeitsgruppe Neuroimmunologie & Multiple Sklerose an der Medizinischen Universität Innsbruck und MS-Beauftragter der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN), am Montag anlässlich des Welt-MS-Tages am 31. Mai aufmerksam.

Heute landen die wenigsten MS-Patienten im Rollstuhl

"Die meisten Menschen sind immer noch der Ansicht, die Multiple Sklerose würde innerhalb kürzester Zeit zu schwerster Behinderung führen. Aufgrund der Fortschritte in Therapie und Diagnostik ist es aber an der Zeit, dieses negative Bild durch ein deutlich positiveres zu ersetzen. Heute landen die wenigsten MS-Patienten im Rollstuhl", sagte Berger.

Verlauf

Weltweit sind etwa 2,3 Millionen Menschen an dieser entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems erkrankt, in Österreich rund 12.500, hieß es in einer Aussendung. In der Mehrzahl der Fälle bricht MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus und verläuft in akuten, vorübergehenden Schüben. Zu den häufigsten und individuell sehr unterschiedlich ausgeprägten Beschwerden zählen Sehstörungen, Kraftminderung, Gefühlsstörungen, Störung der Koordination und urologische Probleme. In rund zehn Prozent der Fälle nimmt die Krankheit einen chronisch progredienten Verlauf, bei dem sich die Beschwerden ab Krankheitsbeginn kontinuierlich verschlechtern.

Umfrage

Zwar sind die Ursachen und die genauen pathophysiologischen Vorgänge einer Multiplen Sklerose immer noch nicht vollständig erforscht, dennoch gibt es inzwischen 13 zugelassene Medikamente, die vor allem die schubförmig verlaufende Form gut beherrschbar machen. In einer von der Österreichischen MS-Gesellschaft 2012 durchgeführten Untersuchung schätzten die Patienten ihr Befinden und den Grad ihrer Behinderung im Vergleich zur zehn Jahre davor schon einmal durchgeführten Umfrage um rund 30 Prozent besser ein.

Frühere Diagnose

"Dazu trägt auch bei, dass wir mit MRT-Untersuchungen heute viel früher eine Diagnose stellen und dadurch auch früher behandeln können", erläuterte Berger. "Das bedeutet in vielen Fällen auch eine bessere Prognose." Schwieriger zu behandeln als die schubförmige ist die progrediente Form von MS, inzwischen steht aber auch dafür ein Medikament kurz vor der Zulassung.

Kritik an Sozialversicherungsträgern

Während es Lob für die spezialisierte Versorgung in Österreich gab, ernteten die Sozialversicherungsträger Kritik. "Vor dem Hintergrund dieser höchstqualitativen Voraussetzungen ist es umso unverständlicher, dass die Sozialversicherungsträger gerade bei unseren Patienten auf die Kostenbremse treten", kritisierte Berger. So wurde etwa ein neues Medikament, das bestimmte Lymphozyten zur Entzündungsbekämpfung stärkt, im vergangenen Sommer zwar zugelassen, anders als etwa in Deutschland wird es aber von den Kassen nicht bezahlt. "Mit diesem neuen Wirkmechanismus könnte einigen Patienten geholfen werden, die auf die bisher verfügbaren Medikamente nicht oder schlecht ansprechen", sagte Berger. "Das wurde aber nicht einmal ernsthaft diskutiert. Dabei dürfte das Kostenargument bei der vergleichsweise überschaubaren Anzahl an Patienten eigentlich nicht ins Gewicht fallen."

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