300.000 Betroffene

Neue Therapien bei Schuppenflechte

Zwei Drittel der Patienten erreichen Reduktion der Symptome um 90 Prozent - Quer über alle Gruppen von Behandelten hinweg

Bis zu 300.000 Menschen in Österreich leiden an Psoriasis. Fast alle benötigen bei der lebenslangen Erkrankung im Endeffekt eine Behandlung mit Biotech-Medikamenten zur gezielten Blockade der dabei auftretenden fehlgeleiteten immunologischen Prozesse. Neue derartige Biologika haben höhere Ansprechraten, hieß es am Mittwoch bei einem Hintergrundgespräch des Pharmakonzerns AbbVie in Wien.

Entzündungsreaktion der Haut

Die Schuppenflechte betrifft zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. In Europa sind es damit rund fünf Millionen Menschen. "Die Erkrankung ist chronisch. Sie ist derzeit unheilbar", sagte der Feldkircher Dermatologe Robert Strohal. Bei der Krankheit kommt es - wahrscheinlich durch eine Kombination von genetischen und Umweltfaktoren - zu einer Fehlschaltung im körpereigenen Abwehrsystem. Das löst in der Haut massive Entzündungsreaktionen mit einer Wucherung der Hornzellen aus, was zur exzessiven Schuppenbildung der betroffenen Hautareale führt.

Kosmetisch können die Konsequenzen für den Einzelnen katastrophal sein. Es handelt sich um eine "systemische" Erkrankung, welche offenbar durch die fortlaufende Entzündungsreaktion im Körper zu einer deutlich erhöhten Gefährdung durch zusätzliches Gelenksrheuma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Das Infarktrisiko ist auf das Siebenfache erhöht.

"Biologika" am Ende der Behandlungskette

Aufwendige Hautpflege, Cortisonsalben und Ähnliches, die sogenannte Lichttherapie (derzeit vor allem Schmalband-UVB-Licht) und schließlich Medikamente wie Methotrexat und Cyclosporin sind die Hauptbestandteile der traditionellen Therapie. Vor rund 15 Jahren kamen dann die sogenannten Biologika auf, welche als Biotech-Medikamente gezielt in die Krankheitsprozesse eingreifen. "Es gibt Keinen, der nicht am Ende mit Biologika behandelt wird", sagte Dermatologe Strohal zu den Erfahrungen mit den Psoriasis-Patienten.

Monoklonale Antikörper gegen den Entzündungsbotenstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha) waren die erste Stufe dieser Entwicklung. Bei der Psoriasis folgen dann Interleukin-17-Antikörper. Im Grunde tastete man sich damit näher an den immunologischen Ursprung der Psoriasis-Kaskade im Körper an. Das alles ist auch ähnlich bei anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, rheumatische Arthritis etc. Mit den TNF-alpha-Blockern kommt man nach drei Wochen auf ein ausreichendes Ansprechen (75 Prozent Reduktion der Symptome) bei rund 70 Prozent der Behandelten.

Neu zugelassenes Präparat am Markt

Erst vor kurzem zugelassene bzw. nachkommende Biologika als monoklonale Antikörper hemmen hingegen Interleukin-23, einen in der chronischen Entzündungsreaktion frühen Kernfaktor des Immunsystems. Mit diesen Medikamenten erreicht man eine Reduktion der Krankheitszeichen um 75 Prozent bei rund 90 Prozent der Behandelten. Eine Verringerung um 90 Prozent zeigt sich bei etwa 70 Prozent, stellte Strohal dar. Es gibt auch interessanterweise kaum Unterschiede bei verschiedenen Patientengruppen, zum Beispiel zwischen Kranken mit unterschiedlicher Vorbehandlung. Wie lange die Wirkung der über viele Jahre notwendigen Therapie anhält, ist noch nicht klar.

Während die Biotech-Medikamente in der Produktion ausgesprochen aufwendig sind, dürfte in Zukunft die Forschung vermehrt in Richtung "kleiner", synthetisch herstellbarer Wirkstoffe zur oralen Einnahme gehen. Dazu gehören sogenannte Januskinase-Hemmer, welche Enzyme in jenen Zellen blockieren, die bei der überschießenden Immunreaktion im Rahmen der Psoriasis eine Rolle spielen.

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