Neue Chancen bei Krebs

Weltkrebstag

Neue Chancen bei Krebs

Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar geben Österreichs renommierteste Onkologen einen Einblick in innovative und und neuartige Krebstherapien.

Etwa 40.000 Menschen hierzulande wird Jahr für Jahr die Diagnose Krebs gestellt. Laut Statistik Austria leben derzeit 350.000 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frau zählt der Brustkrebs mit 5.500 Neuerkrankungen pro Jahr. Männer erkranken am häufigsten an Prostatakrebs. Weitere häufige Krebserkrankungen bei Frauen und Männern sind bösartige Tumoren der Lunge und des Dickdarms bzw. Enddarms.

Unter dem Begriff Krebs – der vor 2.400 Jahren vom griechischen Arzt Hippokrates geprägt wurde – versteht man eine hochkomplexe Erkrankung des Erbgutes. Diese ist gekennzeichnet durch ungebremste Zellvermehrung, bösartige Gewebsbildung und Ausbreitung im Organismus (Anm.: Metastasierung). Zugrunde liegen multifaktorielle Ursachen, die sowohl unkontrollierbar als auch – zu einem Teil – durch einen gesunden, rauchfreien Lebensstil kontrollierbar sind. Je früher eine Krebserkrankung durch Früherkennungsmaßnahmen (Mammografie, Prostatavorsorgeuntersuchung, Koloskopie) diagnostiziert und behandelt wird, desto besser ist diese therapierbar. Zudem führen neue Behandlungsstrategien und die Etablierung von interdisziplinären Krebs­zentren zu einer zunehmenden Verbesserung von Chancen.

Die Säulen der Krebsbehandlung

Die zahlreichen Therapiemethoden werden grob in drei Kategorien unterteilt: in die operativen Methoden, die Strahlentherapie (beides lokale Maßnahmen) sowie medikamentöse Behandlungsoptionen. Je nach Lokalisation, Ausbreitung (Stadium), Histologie und auch Ausprägungen, wie z. B. Hormonrezeptoren, kommen eine oder mehrere Therapien in Kombination zum Einsatz. Der individuelle Behandlungsplan wird dabei von Experten der verschiedenen Fachrichtungen – dem Tumorboard – erstellt.

Fakten über Krebs 1/3
Der Begriff:

Krebs wurde vom griechischen Arzt Hippokrates vor fast 2.400 Jahren geprägt. Die auf gesundes Gewebe übergreifenden Tumoren hat er mit den Scheren des Krebses verglichen. Bereits die alten Ägypter waren von Krebs betroffen. Funde
bestätigen dies. Heute bezeichnet man mit Krebs eine Vielzahl von Erkrankungen, die durch ungebremste Zellvermehrung, bösartige Gewebsneubildung und Ausbreitung im Organismus gekennzeichnet sind.


State-of-the-Art-Methoden
Stete Weiterentwicklungen gibt es in allen Bereichen der Krebstherapie. So können operative Eingriffe zur vollständigen oder teilweisen Entfernung von Tumorgewebe ob neuer Technologien, wie dem Einsatz robotischer Assistenz oder Laserchirurgie, deutlich schonender als bei einem „offenen“ Zugang durchgeführt werden. Dies kann u. a. die Dauer der Rekonvaleszenz senken und die Lebensqualität der Patienten langfristig erhöhen. Enorme Fortschritte werden im Bereich der medikamentösen Therapien verzeichnet. Zu diesen zählen die Chemotherapie, die Antihormontherapie, die Immuntherapie sowie zielgerichtete Therapien (die Präzisionsmedizin). Besondere Bedeutung im Kampf gegen den Krebs werden der Immuntherapie sowie den zielgerichteten Therapien beigemessen – zwei Bereiche, die sich zum Teil überschneiden.

Die Präzisionsmedizin kann dank modernster Analyseverfahren molekulare Veränderungen, die die Krebsentwicklung steuern, blockieren. Anders als die Chemotherapie mit Zytostatika, die zwischen Krebszellen und gesunden Zellen nicht unterscheiden können, forscht die maßgeschneiderte Therapie die „Achillesferse“ der Krebszellen aus. Mithilfe molekularpathologischer Untersuchungen können Tumore charakterisiert und die individuellen Merkmale bestimmt werden. Gegen die spezifischen Eigenschaften oder Moleküle, die für das Überleben und die Vermehrung von Krebszellen wichtig sind, richtet sich dann die Behandlung. Je nach Beschaffenheit der Zelle blockieren bestimmte Medikamente die für die Zellteilung wichtigen biochemischen Signalketten, hemmen die Gefäßneubildung und „hungern“ den Tumor dadurch aus oder bekämpfen gar die Wurzel des Übels – die Tumorstammzellen. Dadurch können Krebszellen unter größter Schonung von normalen Geweben medikamentös angegriffen werden.

Zum anderen sind Onkologen mittlerweile in der Lage, mittels Immuntherapie die körpereigene Abwehr eines Patienten „scharf“ zu stellen. Tumorzellen haben die Fähigkeit, sich vor der Abwehr zu tarnen bzw. die Immunreaktion zu hemmen. Indem diese „Bremsen“ z. B. durch die Verabreichung der sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren ausgeschaltet werden, kann das den Tumor umgebende Immunsystem gezielt gegen den Krebs gerichtet werden.

Die Anwendung modernster Therapien hat in den letzten Jahren zu einer wesentlichen Verbesserung der Heilungsraten geführt. Die personalisierte Medizin ist zudem in der Lage, in einem metastasierten, nicht heilbaren Stadium die Lebensqualität des Einzelnen zu verbessern bzw. das Gesamtüberleben zu verlängern.

Therapie-Säulen & innovative Methoden im Überblick

Behandlung bei Krebs

Operative Eingriffe
Operative Eingriffe dienen der vollständigen oder teilweisen Entfernung von Tumorgewebe. Wenn der Tumor durch eine OP vollständig entfernt werden kann, stellt die OP in vielen Fällen die alleinige Therapie dar. Bei der OP wird meist auch das unmittelbar angrenzende Gewebe entfernt, um sicherzugehen, dass keine Krebszellen zurückbleiben, die eventuell bereits im umgebenden Gewebe gestreut haben, aber nicht sichtbar sind. Bei vielen Krebserkrankungen führt man eine medikamentöse oder strahlentherapeutische Nachbehandlung durch. Dies soll verhindern, dass einzelne verbliebene Krebszellen zu einem Rückfall führen.
Neu auf diesem Gebiet: Neben der „offenen“ OP sind minimalinvasive „gewebsschonendere“ Techniken wie Laserchirur­gie, Endoskopie und Laparoskopie möglich („Schlüsselloch“­-Chirur­gie). Der Einsatz von robotischer Assistenz („Roboterchirurgie“ s. o.) kann die Präzision deutlich erhöhen. OPs kommen weiters als palliative ­Behandlung zum Einsatz.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie (Radiotherapie) ist – mit Ausnahme der Ganzkörpertherapie – eine lokale Therapieform, vergleichbar mit der Chirurgie und wirkt ebenfalls ausschließlich in der behandelten Region. Erfolgt als alleinige Therapie oder in Kombination mit anderen, entweder vor oder nach der OP oder im Anschluss an eine medikamentöse Therapie. Kommt auch palliativ zum Einsatz.

Medikamentöse Therapien

Chemotherapie: der programmierte Zelltod. Mithilfe von Medikamenten sollen im gesamten Körper Tumorzellen am weiteren Wachstum gehindert und abgetötet werden. Krebszellen wachsen in der Regel ­rascher als normale Zellen. Die meisten Chemotherapien greifen in erster Linie jene Tumorzellen an, die sich gerade teilen, und schädigen sie so, dass eine weitere Teilung nicht mehr möglich ist. Da die Unterscheidung zwischen Krebszellen und normalen Zellen nicht so einfach ist, lässt sich eine Mitschädigung von gesundem Gewebe nicht ganz vermeiden. Verabreichung: über Injektionen, Infusionen, einen Katheter oder in Tablettenform.


Antihormontherapie: wird bei Krebsarten eingesetzt, deren Wachstum besonders empfindlich auf Hormone reagiert (wie Brustkrebs, Prostatakrebs). Die Behandlung zielt darauf ab, die Bildung oder Wirkung des im Organismus zirkulierenden natür­lichen Hormons, das zum Wachstum der Tumorzellen beiträgt, durch künstliche zu stören.


Immuntherapie: Tumorzellen haben die ­Fähigkeit, sich vor dem Immunsystem zu tarnen bzw. immunologische Funktionen zu lähmen. Durch die Immuntherapie werden Mechanismen der Tumorzelle, sich vor dem Immunsystem zu tarnen bzw. dieses auszuschalten, außer Kraft gesetzt und die eigenen Antikörper können den Tumor angreifen. Immuntherapien mittels Immuncheckpoint-Inhibitoren sind in Europa derzeit bei verschiedenen Tumortypen in unterschiedlichen Situationen zugelassen. Dazu gehören z. B. Lungenkrebs, HNO-Tumoren, Tumoren des oberen Verdauungstraktes, u. U. auch gewisse Subtypen von Dickdarmtumoren, Nierenkrebs und das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs).
Derzeit hat sie bei Lungenkrebs, bei der Therapie des malignen Melanoms sowie bei vorbehandelten Nierenzellkarzinomen Eingang in die klinische Routine gefunden.


Eine völlig neuartige Krebstherapie ist die CAR-T-Zelltherapie: vereint Immunzellen- und Gentherapie. Durch gentechnische Veränderungen werden aus menschlichen T-Zellen (Gruppe von weißen Blutzellen) aggressive Tumorkiller. Einsatzgebiete: bestimmte schwere Blutkrebserkrankungen.

Zielgerichtete Therapie:
Richtet sich gegen spezifische Eigenschaften oder Moleküle, die für das Überleben und die Vermehrung von Krebszellen wichtig sind. Je nach Beschaffenheit der Krebszelle blockieren zielgerichtete Medikamente für die Zellteilung wichtige biochemische Signalketten, hemmen die Gefäßneubildung und „hungern“ den Tumor aus oder richten sich gar gegen die Tumorstammzellen. Sie werden z. B. bei Brust-, Darm-, Lungen-, Nierenkrebs, bei schwarzem Hautkrebs und auch bei bestimmten Blutkrebsformen erfolgreich angewendet. Vorteile: Anders als bei der Chemo- oder Strahlentherapie richten sich viele der neuen Wirkstoffe nicht gegen gesunde Zellen. Dennoch gibt es Nebenwirkungen,
z. B. Hautreaktionen, Lichtempfindlichkeit.

 

News aus der Krebs-Medizin

 

Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Christoph Zielinski

Der Leiter des Vienna Cancer Centers sprach anlässlich des Weltkrebstages über die Bedeutung der überregionalen Vernetzung onkologischer ExpertInnen   – am Beispiel des Vienna Cancer Centers; www.vienna-cancer-center.at

© TZ Oesterreich Prader Inge

Standardisierte Behandlungskonzepte
„Das Vienna Cancer Center (Anm.: kurz VCC)“, so Prof. Zielinski, „stellt eine Vernetzung der onkologischen Spitalsabteilungen (Anm.: Partner sind u. a. AKH, Wilhelminenspital, SMZ Ost, KH Hietzing) in Wien dar. Zentrales Ziel dieser Expertenplattform ist es, die wohnortnahe Versorgung der Wiener KrebspatientInnen auf höchstem medizinischem ­Niveau sicherzustellen. Zu diesem Zwecke widmet sich das VCC aktuell verschiedenen Arbeitsschwerpunkten. Bis Ende 2020 plant das VCC, mit sogenannten Standard Operating Procedures (Anm.: SOPs) die Diagnose- und Behandlungsentscheidungen in den beteiligten Krebszentren auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und genauer Indikationsstellung zu vereinheitlichen. Damit soll gewährleistet werden, dass Patientinnen in jeder onkologischen Abteilung Wiens die gleiche Versorgung bekommen. Diese gemeinsame Linie ist nicht zuletzt auch angesichts moderner, oftmals hochpreisiger Medikamente von großer Bedeutung. Beispielsweise verursacht die Verabreichung der innovativen Immuncheckpoint-Inhibitoren, die bereits in 15 verschiedenen Indikationen registriert sind, pro Patient und Behandlungsjahr Kosten von weit über 80.000 Euro. Hier ist es notwendig, klare Richtlinien für den optimalen Einsatz dieser Medikamente zu erarbeiten. Damit soll gewährleistet werden, dass nur jene Patienten behandelt werden, die diese Therapie tatsächlich benötigen, andererseits aber alle Patienten, die tatsächlich profitieren können, diese Medikamente ohne Diskussion bekommen.“


Wohnortnahe Versorgung
Prof. Zielinski: „Für einen möglichst unkomplizierten und hürdenfreien Zugang zu den Partnern des VCC werden PatientInnen, Familienangehörige sowie ­zuweisende ÄrztInnen auf einer eigens dafür eingerichteten Website des VCC ab etwa April 2020 ein elektronisches Termin-Instrument finden. Es unterstützt dabei, rasch und unbürokratisch zu einer kompetenten wohnortnahen Einrichtung des VCC für ein erstes Gespräch mit einer Krebsexpertin/einem Krebsexperten zu gelangen.“

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